Mittwoch, 4. September 2013

Na gut, dann mal wieder privat

Ich schwanke immer zwischen der Idee, privat zu bloggen und der Mitarbeit in einer Community.
Beispiel : Ein Thema hat mich beim Wickel und ich fange an, im Netz rumzukramen. Da gibts viele gute und profunde Beiträge zu meinem Thema. Viel besser als z. B. mancher Community-Beitrag beim Freitag. Aber, sie verschwimmen unbeachtet im Meer der vielen Blogs, News, Websites und sonstiger Verlautbarungen.

Und das ist dann eigentlich wieder bedauerlich. Und man hat kein Echo, man dümpelt selbst auch so unbeachtet durch die Gegend. Seltsamerweise funktioniert das doch noch nicht so richtig gut mit den verschiedenen RSS-Feed und Verlinkung und was sonst noch Optionen. Die Leute haben ein zu großes Angebot, als dass sie einem - wenn es nicht treue Leser sind - da umständlich folgen.

Ich hätte nicht übel Lust, beim Freitag auch mal so eine Tagebuchgeschichte loszutreten, aber die technischen Gegebenheiten machen es einem schwer. Na, egal. Ich werde immer mal wieder hier auftauchen.




Freitag, 13. Januar 2012

Ostinato der Verachtung Brandt-Schröder-Wulff


Schlaue Sozialforscher haben herausgefunden, dass die Beobachter eines Fußballspiels – auch wenn sie zu beiden Mannschaften kein besonders inniges Verhältnis haben - dennoch irgendwann Partei ergreifen für eine Seite, sonst macht das Gucken keinen Spaß.

Vielleicht hat mich dieses Phänomen dazu bewogen, mehr zu Wulffs Seite zu neigen, vielleicht ist es, weil ich BILD nicht mag. Natürlich weiß auch ich, dass die Dinge nie so einfach stehen.
Wäre Politik nur reine Macht- und Interessenpolitik, dann würden sich viel weniger Leute dafür interessieren. Politik ist „Welttheater“   sie hat dramatische Momente ebenso wie sie die Posse und den Boulevard bedient.
Ich frage mich selbst schon geraume Zeit, warum ich – gegen viele vernünftige Einsichten – eher auf der Seite derer bin, die den Wulff zumindest nicht so streng beurteilen wie z.B. zu Guttenberg. Warum ich zur Guttenberg-Schuhdemonstration gegangen bin, bei Wulff aber zurückzucke.

Erinnerte
Heimatlosigkeit
Zurück zu Wulff. In einem anderen Blog habe ich scherzhaft gemeint, er sähe meinem Bruder ähnlich und das stimmt sogar. Vor allem aber erinnert mich der Umgang mit ihm an eigene Herkunftserfahrungen, an ein Gefühl der Heimatlosigkeit, die nicht mit dem „Osten“ zusammenhängt, sondern mit meiner Familiengeschichte, meiner ersten „West“erfahrung noch als Kind und der Beobachtung der guten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Reflexen .

Der Umgang mit Leuten, die nicht in das bürgerlich-saturierte Schema passen scheint nicht mehr so intolerant wie in den 50er Jahren. Damals war meine katholische Mutter, allein mit zwei Kindern, eine im Westen völlig indiskutable Person und entschloss sich – u. a. auch aus diesen Gründen - lieber nicht zu dem einzigen Verwandten nach Unna in Westfalen zu ziehen, sondern in Leipzig zu bleiben. Der Westen erinnerte sie ständig an ihre Abspaltung von der einst bürgerlichen Familie.

Willy Brandt
alias „Karl Frahm“
Die Kampagne mit dem Unterton „Willy Brandt alias Karl Frahm“ hat mich einige Jahre später weiteres über die Bundesrepublik gelehrt.
Willy Brandt kannte seinen Vater nicht und das hat ihm Diskriminierung und gern genutzte Möglichkeiten zur Verletzung eingetragen.

Willy Brandt setzte sich durch wie später ein gewisser Gerhard Schröder. Auch er vaterlos, aus anderen Gründen, auch dessen familiären Verhältnisse weder wohl- noch gutbürgerlich. Und es war sofort jemand bereit, dies zum Thema einer allgemeinen Charaktereinschätzung zu  machen.

Wolfgang Büsche schrieb damals in der Welt: „Es gab Väter, die ihre Söhne nicht kannten, und Söhne, die ihre Väter vergaßen.
Hierin verkörpert Schröder Deutschland, auch hierin. Der Mann ist medial hoch begabt, medial im alten Sinne. Ein Medium aber muss leer sein. Durchlässig. Mehr Projektionsfläche als Projektor. Der klassische Projektor ist der Vater. Wo er abwesend ist, ist eine Art von Freiheit: Unruhe, Suchen. Da ist nicht die Macht der Prägung, und da ist keine Rebellion. Gegen wen soll denn ein Muttersohn rebellieren - gegen die arme, tapfere Frau, die ihn durchbringt, so gut sie kann?“

Vaterlosigkeit
als Makel
Ein Text, der die Vaterlosigkeit eines Menschen zum Makel macht zum Hintergrund der Charakterschwäche, der Leere und des Unkreativen, förderte in mir eine ganz irrationale temporäre Parteinahme für Schröder, dessen Verhalten und politische Entscheidungen mir deshalb nicht weniger suspekt und erschreckend waren. Aber den Hang zur Protzerei, den er immer wieder zeigt, leitete ich nicht aus der Vaterlosigkeit ab. Eigentlich war die ganze SPD – in die Nähe von Macht gelangt – dafür anfällig, schien mir.

Die CDU hat auch ihre Aufsteiger – und wenn diese zu sehr abweichen, dann beginnt das konservative Bürgertum erneut mit der reflexhaften Abwehr. Wenn er dann selbst noch politisch unklug agiert oder sich Verfehlungen zu Schulden kommen lässt, wird die schon immer schwelende Verachtung mit Freude neu entfacht.

Auch Wulff hat keinen Vater. Eine frühe Scheidung und ein Stiefvater, der die Familie ebenfalls sehr früh wieder verließ, waren der Grund. Keine heile Familie, kein solides und beständiges Bürgerschema und das dann auch noch bei einem Katholiken. Wulff machte das anlässlich des Papstbesuches zum Thema:

„Kirche und Staat sind bei uns in Deutschland zu Recht getrennt. Aber: Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit.
Deswegen ist sie auch selbst immer wieder von neuen Fragen herausgefordert: Wie barmherzig geht sie mit Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern? Welchen Platz haben Laien neben Priestern, Frauen neben Männern? Was tut die Kirche, um ihre eigene Spaltung in katholisch, evangelisch und orthodox zu überwinden?“
Er hatte damals vielen kritischen Katholiken aus dem Herzen gesprochen, aber das Echo blieb verhalten und abweisend.

kleinbürgerlicher
Parvenü
Wulffs Politik in Hannover – konservativ, mit starken sozialen Kürzungen – entsprach dem CDU-Muster. Da blieb vieles an Klüngelei im Dunkeln.
Als Bundespräsident, der unklug, schlecht beraten mit Vorwürfen umgeht, wird sein Lebensstil zum Thema.
Während Jakob Augstein in einem Beitrag rügte, dass er so sehr bürgerlicher Durchschnitt ist und wir den Bundespräsidenten hätten, den wir auch verdienten, sieht Welt-Autor Ulf Poschardt ihn ihm den Parvenü.
Scheinbar verständnisvoll thematisiert er die Schwach- und Bruchstellen Wullfs, erwähnt seine schwierige Kindheit und Jugend aber behauptet, in Deutschland bestimme die Herkunft den gesellschaftlichen Erfolg nicht. Hingegen fordert er - gerade vom Amt des Bundespräsidenten - ein Kategorie, die er existenzielle Exzellenz nennt. Und der von ihm bemäkelte kleinbürgerliche Wulffsche Lebensstil hat diese Exzellenz wohl nicht.

Sozialneid ist ein
Problem der Reichen
Könnte es sein, dass Sozialneid nicht der Neid der kleinen Leute auf „die Reichen" ist? Fragte ich mich an dieser Stelle spontan. Ist Sozialneid nicht viel mehr der Neid der Reichen auf andere Reiche? Der macht die Welt so spitz und scharf. Kleine Leute wollen höheren Lohn und bezahlbare Mieten und sie begucken sich die Welt der Reichen mit Interesse, aber nicht mit ewigem Neid. Das tun Leute wie Poschardt vielleicht und sie kompensieren diesen Neid mit Beiträgen wie den in der Welt. Ich denke, ich habe Recht, denn der Begriff Sozialneid wurde in diesen Gefilden kreiert.

Konservative
Lehmschicht
Zurück zur obigen These, zu den Aspekten, die Menschen zur Parteinahme bringen ob beim Fußball oder in anderen Lebensbereichen: Ich habe eine „Schlagseite“ zur Wulff, eine nicht ganz logische, aber trotzdem schlüssige.
Und vielleicht ist – auch hier – Wulff nur der „Aufhänger“.

Diese Bundesrepublik wird von einer Lehmschicht dieser konservativen, Bürger mit „Sinn für Höheres“ erstickt, die nichts ändern wollen. Sie hat sich auch viel weniger geändert als ich dachte oder hoffte, Einige Seitenaspekte der Wulff-Debatte zeigen Kontinuitäten mit langen Wurzeln. Es war –aus diesen Gründen – ein bisschen leichter in der DDR ohne Wurzeln zu leben, die wie Günther Gaus schrieb „ein Land er kleinen Leute“ war. Vielleicht bin ich daher im Umgang mit der Vergangenheit auch nicht so hasserfüllt wie eine verachtungsvolle Bürgerwelt, die sich angesichts der Serien-Einfamilien-Häuschen von Wandlitz in ihrem ästhetischen Sinn zutiefst verletzt fühlt. Und diese Verletzung dann ins Politische über das „Leben der Anderen“ transponierte.


Freitag, 23. Dezember 2011

Frohe Weihnachten für Amateure aller Art



Dieses Kinderklavier habe ich mir  in einem Trödelladen gekauft. Man kann allerlei damit anstellen. Auch "Stille Nacht" spielen, aber es macht ganz schön Krach das Teil.